Was ist der E-Highway?

eHighway erklärt

Der E-Highway erinnert in erster Linie an eine Kombination aus LKW und Straßenbahn. Oberhalb der Autobahn befinden sich bei einem E-Highway ein Oberleitungsstromnetz, welches von speziellen Sensoren auf dem Dach eines LKWs erkannt und verbunden werden können, sodass der LKW seine Akkus während der Fahrt aufladen kann. Dieses System ist bereits im Zugverkehr bekannt. Der E-Highway ermöglicht die Fortbewegung des LKWs durch Strom, während er auf normalen Straßen und Autobahnen auch ohne die Hybridausstattung durch beispielsweise Diesel vorankommt. Dabei kann der LKW auch andere Fahrzeuge überholen, indem er von dem Stromnetz getrennt wird und der herkömmliche Verbrennungsmotor zum Einsatz kommt. Der E-Highway stellt eine Möglichkeit dar, wie LKWs in der Zukunft klimaschonend fahren könnten und befindet sich bereits in der Testphase. Was man sonst noch zum E-Highway wissen muss, das erfährt man nachfolgend.

Wie funktioniert der E-Highway?

Die Oberstromleitung ist ca. fünf Meter oberhalb der Autobahn angebracht sein. Auf dem Dach des LKWs sind Sensoren installiert, welche die Stromleitung erkennen und sich mit dieser verbinden können. Der Hybridmotor wird durch diesen Strom angetrieben, sodass der LKW sich fortbewegen und den Akku weiter aufladen kann.

eHighway auf der A5 nahedes  Parkplatzs Bornbruch

Während die Geschwindigkeitsbegrenzung für LKWs bei 80 km/h auf deutschen Autobahnen liegt, kann eine maximale Geschwindigkeit von 100 km/h erreicht werden. Wie viele LKWs sich gleichzeitig an das Stromnetz anschließen können bleibt weiter zu erforschen, doch erste Teststrecken können vier LKWs gleichzeitig mit Elektrizität versorgen. Sollte die Strecke durch Tunnel oder Brücken getrennt, kann die Stromleitung auf ca. 4,50 Meter heruntergesetzt werden, sodass die Verbindung nicht unterbrochen wird.

Die Funktion der Stromversorgung wird aus dem Zugverkehr abgeleitet, wo dieses System bereits erfolgreich eingesetzt wird, um Züge fortzubewegen. Der Unterschied der beiden Oberleitungssysteme besteht darin, dass auf der Autobahn zwei Leitungen gelegt werden müssen, um den Stromkreislauf zu schließen. Bei der Deutschen Bahn werden die Züge mit einer Wechselspannung von 15.000 Volt betrieben, während der E-Highway LKWs durch Gleichspannung im Bereich von 670 Volt versorgen. Somit ist der Stromverbrauch reduziert. Das Oberleitungssystem ermöglicht eine nahezu vollständige Nutzung der Elektrizität als Bewegungsenergie. Aus Bremsvorgängen der LKWs kann dieses System ebenfalls Strom zurückgewinnen, welcher dann wiederverwendet werden kann.

Um das Oberleitungssystem nutzen zu können, müsste in neue LKWs investiert werden, da eine Umwandlung der herkömmlichen Fahrzeuge aufwändig sein wird. Verbindungssensoren und ein Hybridmotor zur Nutzung von Elektrizität und auch herkömmlicher Brennstoffe müssten im Vorfeld eingebaut werden, um mit der Stromleitung kompatibel zu sein.

Ziele des E-Highway

Aus dem Einsatz von Hybridmotoren für LKWs erhofft man sich nicht nur einen geldwerten Vorteil, sondern auch einen umweltschonenden Transport. Seit 1990 hat sich der Gütertransport auf den Straßen mehr als verdoppelt, was auch die Umwelt zu spüren bekommt. Das Bundesverkehrsministerium veröffentlichte neue Zahlen der LKW-Dichte auf Deutschlands Autobahnen. Diese werden zu einem großen Problem des Klimaschutzplans, sodass in der Zukunft E-Highways für weniger Abgase sorgen könnten und nicht in die CO2-Bilanz eingehen. Auch die Spritpreise können so gemindert werden, da der Strom weitaus günstiger ist als Diesel oder Benzin.

Ein weiterer Vorteil besteht darin, dass E-Fahrzeuge sehr leise sind und somit auch die Geräuschkulisse auf den Autobahnen und in der Umgebung reduzieren würden. So kann das Umfeld als Wohnraum genutzt werden, ohne Lärmbelästigungen von den Straßen zu berücksichtigen. LKWs könnten ebenfalls durch bewohnte Gebiete fahren, ohne die Ruhe der Anwohner zu stören.

E-Highway Teststrecken

Das Oberleitungsystem befindet sich in der Testung und wurde bereits beispielsweise in Schweden und Hessen (Projekt ELISA) angewandt und soll nun auch in Norddeutschland in die Testphase gehen. Über fünf Kilometer wird dabei die Alltagstauglichkeit auf den Autobahnen getestet. Insgesamt drei Jahre lang soll dieses System getestet werden, bevor entschieden wird, ob die Oberleitungstechnik für den deutschen Verkehr tauglich ist.

In Schleswig-Holstein wurde an der A1 zwischen der Anschlussstelle Reinfeld und dem Autobahnkreuz Lübeck eine eHighway-Teststrecke für elektrisch angetriebene Oberleitungs-Lkw errichtet (FESH – Feldversuch eHighway Schleswig-Holstein). Die Teststecke erstreckt sich auf ca. 2 x 5 km und wird bis Ende 2022 voraussichtlich befahren. Seit 05. Dezember 2019 ist sie nach einer knapp zwei stündigen Probefahrt befahrbar.

Laster auf dem eHighway
Laster auf dem eHighway © FuE-Zentrum FH Kiel GmbH

In Schweden werden mehrere Systeme getestet, um die Autobahnen durch Elektrizität umweltfreundlicher und leiser zu gestalten. So wurde nicht nur das Oberleitungssystem, sondern auch schon Schienen auf den Autobahnen getestet.

Bis 2030 soll die Umsetzung der Hybrid- LKWs abgeschlossen sein. Während der Testphase in Hessen wurde ein zu hoher finanzieller Aufwand für den Steuerzahler kritisiert. Nach einem Unfall mit der Oberleitung, nachdem die Autobahn streckenweise komplett gesperrt war, hagelte es ebenfalls Kritik. Dabei hatte sich ein Spanngurt in der Oberleitung verfangen und das gesamte System zum Erliegen gebracht.

Durch weitere Tests wird erforscht, ob die Masten eine Gefahr für den weiteren Verkehr auf der Autobahn darstellen oder ob die Leitungen bei unterschiedlichen Wettereinflüssen gleichbleibend funktionieren.

Was kostet ein E-Highway?

Die größte Kritik erhält das Oberleitungssystem für den finanziellen Aufwand. Die Testphase des E-Highways in Hessen hat bis jetzt 14,6 Millionen Euro gekostet, dabei fallen für die Auswertung der Daten weitere 15 Millionen Euro an.

Um einen geeigneten LKW nutzen zu können, müssen in 250.000 Euro investiert werden. Während in Schweden das Projekt schon als unwirtschaftlich bezeichnet wurde, achtet das Bundesumweltministerium in Deutschland auf große Herausforderungen beim Klimaschutz vor Allem im Verkehrsbereich und sieht dieses System als eine gute Investition für weniger Belastung der Umwelt. Zwar ist der finanzielle Aufwand im Voraus groß, doch auf lange Sicht könnte sich dieses System als innovative Lösung für unsere Klimaprobleme herausstellen.

Quelle Titelbild: Pixabay.com/44833



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